Montag, 4. Juni 2012
Vorwort

Nach Tagen, Wochen und Monaten voller  Überlegungen und "Back-flashes" - trübe aber schmerzvolle Erinnerungen an eine Zeit, in der man nach erwachsenem Verständnis eigentlich nicht oder noch nicht dem Persönlichkeitsbild entspricht, als das man sich später identifizieren können wird - entschied ich mich wieder zu schreiben. Warum dies so ist? Nun womöglich liegt dies am Mangel an Erfahrung und an Entscheidungen, die man durch eigene Überlegung, nicht durch Konditionierung oder "Angst" vor Strafen der Eltern getroffen hat. Irgendwann kommt die Phase, in der sich der alte "Cocon" namens Kind zurückzuziehen oder aufzustülpen beginnt, und heraus kommt ein viel größeres, ausgereifteres Wesen, im Positiven oder Negativen, als zuvor. Wie das Erscheinungsbild dieses Wesens ausfällt, wie es agiert und wie es sich in die Gesellschaft einbringen wird, ist anscheinend wirklich davon abhängig, wie es geformt wurde, bis es zu der "Cocon"-Starre kam. Ein Buch geschrieben von ... , das ich im Regal meiner Mutter fand, nachdem sie sich, nach all den Jahren der Irrwege, dazu entschied Kinderbetreuerin zu werden, besagt jedoch das Gegenteil, nämlich das Eltern keineswegs Schuld oder Macht bezüglich der Entwicklung ihrer Kinder haben, was mich wiederum zu einem hohen Maße irritierte, da ich fühlte, dass  etwas daran nicht stimmen kann. Der Schriftstellerin wurde auch der Doktortitel mehrmals versagt, daher sehe ich mich darin bestätigt, dass sowohl sie als auch meine Mutter darin für alle Mütter der Erde bloß eine gute Ausrede sahen, keine Verantwortung darüber übernehmen zu müssen, wie sie mit ihren kindern in Stresssituationen umgingen. Wie wir wissen ist zum Beispiel Liebesentzug eines der grausamsten Weisen, aus dem engelhaftesten, sanftmütigsten Kind einen Psychopathen oder aber ein emotionsarmes Geschöpf zu machen. Liebesentzug - eines der effizientesten Wege zum Erfolg, jemanden trotz all seiner Bemühungen im weiteren Leben, zum Scheitern zu bringen. Ich schreibe diese Zeilen und dieses Buch aus mehreren Gründen. Einerseits wäre da die Unmöglichkeit, weiterhin diese Erinnerungen und emotionalen Hiebe meines Gedächtnisses auszuhalten, dass mich immer mehr von der Realität und der (Zukunfts-) Weitsicht entkabelt. Ich gleiche seelisch immer mehr einem von der Hauptstromversorgung abgeschnittenen Apparates, welcher mit Notstromaggregat und Trafo dahinvegetiert, jedoch nicht mehr aktiv am Leben teilnimmt. Physisch wirke ich im Vergleich zu besseren Zeiten,  zu nunmehr guten 48 bis 50 Kilo abgemagert und mindestens um ein Viertel älter, als  es meinem tatsächlichen Alter eigentlich zugesprochen wird. Wenn ich nicht gerade tagsüber arbeite, Musik produziere, Konzerte gebe oder später in den Clubs Tanzscheiben auflege und mir dadurch, (wie mein i-Ging es ausdrückt) auf "schamanische" Weise Energie und Freude oder: Glücksgefühle und Erfolgserlebnisse ausborge, dann schlafe ich. Kaum. Denn wenn ich mich hinlege, suchen mich Träume und Bilder heim, um die es in diesem Buch gehen wird. Ich bin fünfundzwanzig Jahre alt, lebhaft in Österreich, und dieses Buch beginnt zu einer Zeit, in der es nach neurologischer Sicht eine Zeitrechnung innerhalb eines Individuums gibt, jedoch lange Zeit behauptet wurde, es gäbe keine Erinnerung daran.


Kapitel 1 -  Pre Traumata

Durch den engen, übel riechenden, in weißem Ausfluss oder "Vaginalfett" getränkten Geburtskanal einer Mutter hindurchgepresst zu werden, muss wohl das abscheulichste oder aber traumatischste erste erlebte Ereignis zwischen Uterus und Außenwelt sein, dass einem Kind widerfährt. Gerade nach so einer Phase von Angst, Schmerz und der Panik ums Überleben, auch die Unwissenheit über das, was als nächstes passieren wird, schreibt einem Kind eine Menge Rechte zu, die sich meiner Meinung nach in manchen Fällen bis in das fünfte oder sechste Lebensjahr des Neugeborenen ziehen können. Liebe, Zuwendung, Sicherheit und Wärme sind hier besonders wichtig, um die ersten Säulen einer Persönlichkeit aufzubauen und die gute Beziehung zwischen Mutter und Kind zu gewährleisten. Erzählungen meiner Mutter zur Folge, nach denen sie meinte, sie hätte bei meiner Geburt den Arzt angewidert gefragt "was das sein sollte?" traue ich mich zu sagen, dass dies keinen guten Start in eine Mutter-Kind-Beziehung darstellt. Ich war dunkel und hatte tiefschwarze Haare am Kopf sowie eine sanfte Behaarung am Körper, die sie wohl rassistisch als auch anatomisch erschreckt haben müssen. Sie sollten wissen, dass meine Mutter einem Clan der Dominikanischen Republik angehört, der von der Hautfarbe her schon etwas heller ausgefallen war - spanische Vorfahren. Mein Vater  und seine Mutter jedoch gleichten eher dem Bilde von Afroamerikanern, was der Geschichte der Dominikanischen Republik nach jenen Vorfahren zu danken war, den afrikanischen Sklaven oder "Gastarbeitern", die halfen, Columbus Stadt Santo Domingo zu errichten. Ich, neugeboren im Jahre 1986, bekam somit den Beinamen "Negrita", was ganz und gar nicht meinem Vornamen abgeleitet war. Meine Mutter entschied sich schon einige Monate nach meiner Geburt (Sie erzählte mir, dass sie in der Stadt als Auslagefenster-dekorateurin arbeitete, ein andern mal, dass sie eine Frisösenausbildung machte, usw.) auszuwandern. Ihren Erzählungen nach, verschlug es sie zuerst in die Schweiz, dann nach Österreich. Ihre Wege waren bestimmt durch Entscheidungen die sie traf und Möglichkeiten die sich ihr boten - in einem bestimmten Rahmen. Meine Mutter arbeitete als Tänzerin in Nachtlokalen, während ich mit meinen Großeltern und meinem Vater meine ersten Jahre auf der Welt verbrachte. Ich erinnere mich auch an eine Erzählung ihrerseits, wonach ihre Mutter, höchstwahrscheinlich nicht durch mich, aber durch sie überfordert, mich den ganzen Tag bis zu ihrer Rückkehr aus der Stadt, in vollen Windeln am Sofa liegen ließ. Sie sollten hierzu wissen, dass meine Großmutter mütterlicherseits immerzu eine strenge Hand ihr gegenüber hatte. Um zu erfahren, warum dies so war nachdem ich meine Großmutter als sehr warmherzig und weise empfand, müsste ich eine Reise zurück zum Ort meiner Geburt machen und Fragen stellen. Wer ist diese Person wirklich, die mich zur Welt brachte, aber nie wollte?

Meine Mutter und meine Großmutter gerieten Erzählungen nach sehr oft in einen Streit, sowie auch nach diesem Erlebnis. Als meine Mutter zum ersten Male aus meinem Leben verschwand, ich kannte sie danach nur von kurzen Besuchen und Geschenken, die mir aus Europa geschickt wurden, verblasste auch meine Erinnerung an sie. Übrig blieben starke Eindrücke meines Vaters, der mich zu Sportveranstaltungen (Baseball) mitnahm und mir einige Tricks am Schlagzeug zeigte. Ich hatte eine kleine Schwester, die ich sehr lieb gewann und mit der ich viel Zeit verbrachte. Außerdem zwei Cousins die viel Zeit im Haus der Großmutter mütterlicherseits verbrachten, da die Brüder meiner Mutter nie aus dem mütterlichen Haus auszogen. 
Ich erinnere mich an die Hochwasser, nicht zuletzt eines der vielen Katastrophen, die diese Insel heimsuchten. Ich musste mit meiner Großmutter durch diese Hochwasser spazieren um einzukaufen oder andere Dinge zu erledigen, da sie mich aber nicht hochnehmen konnte (meine Großmutter hatte schon ein hohes Alter erreicht, als ich geboren wurde), ging ich mit Ihr Hand in Hand. Bis heute habe ich ein schlimmes Gefühl in tiefem Wasser - ich möchte nicht wissen, ob in meinem Gedächtnis Bilder von Ertrunkenen gespeichert sind, die meine Panik auslösen, sobald ich den Boden unter mir verliere und das Wasser mir bis zur Nase steigt. Jeden Sonntag bekam ich ein schönes Kleid angezogen, und wir gingen in die Kirche. Es wurde gesungen, ich hörte gut zu. Meine Großmutter väterlicherseits gehörte einer Sekte an, bei der ebenfalls gesungen und gepreist wurde. Ich erinnere mich jedoch, dass sie ein Bild eines Mannes im Raum hängen hatten, der ein Mann in Amerika namens "Mita" gewesen sein soll. Ich weiß nicht, warum sie genau diesen Mann alle Ehre gaben und ob sie wirklich gott im sinne hatten, wenn sie ihre Lieder sagen, aber Fakt ist: mir wurde schon sehr früh erzählt, dass es einen Gott gibt, der die Welt erschaffen hat und alles was sich auf ihr regt. Ich begann also viele Fragen zu stellen, wenn ich allein nur die Wolken beobachtete oder die Palmen, die im Winde wehten.

Als ich nach Österreich kam, waren schon einige Jahre vergangen. Meine einzige Bezugsperson vor dieser Zeit, die sich wie meine "Mutter" anfühlte, war die Schwester meiner Mutter, Margo, die allerdings zu dieser Zeit an Krebs verstarb. Ich erinnere mich, dass ich nach dem Kindergarten zu ihr nachhause gebracht wurde um zu essen und zu spielen - ich hatte dort einen kleinen Radio mit einem Mikrophon, das mein Lieblingsspielzeug war. Ich sang und sie sang mit mir. Meine zweite Tante reiste zu der Zeit nach Italien aus, wobei der Plan war, mich mitzunehmen. Ich kam also mit meiner Tante nach Italien, wo ich durch meine inzwischen verheiratete Mutter und meinem Stiefvater, ein Österreicher, abgeholt wurde.
1991 kam schließlich mein Bruder zur Welt. Vor meinen Augen. Mein Stiefvater, zu diesem Zeitpunkt noch Kellner im Nachtlokal, in dem auch meine Mutter kurz beschäftigt gewesen war, arbeitete gerade. Sein Bruder, mein Onkel, schlief im gegenüberliegenden Zimmer des Hauses in dem wir wohnten - das Haus meiner Großmutter stief-väterlicherseits. Ich befand mich im Bett meiner Mutter, da ich nicht im Kinderbett meines ungeborenen Bruders schlafen wollte, dass man mir zuerst anzudrehen versuchte. Es war einfach zu klein für mich. Ich weiß noch, dass mir von meiner Mutter bis heute Arroganz vorgeworfen wird, weil ich bestimmte Milchsorten nicht trinken wollte oder aber eben nicht in bestimmten Betten schlafen - das war schon der kleine Anfang des totalen Ignorierens kindlicher Bedürfnisse die nach deren kindlicher Logik entstehen, meistens aus Impuls, die mir sogar noch heute, als mittlerweile junger Erwachsenen, von ihr und ihrem Bruder (der nie aus dem Hause der Mutter auszog, dafür aber starker Alkoholiker war der seine Kinder, meine zwei Cousins, vor meinen Augen derbe schlug) sarkastisch unter die Nase geworfen werden.  Nun kam also mein Bruder unter der Hilfe meines österreichischen Onkels zur Welt, während ich gespannt und mitfühlend im Bett saß und auf die Ankunft meines Bruders Erik wartete. Ich war fünf Jahre alt.

Kapitel 2 - Der Zerfall

Lautes Krachen. Schreie. Es wird geschimpft und plötzlich kommt meine Mutter ins Wohnzimmer, pirscht durch die Türen nach draussen in die kleine Gartenhütte und kommt mit einer Axt zurück. Sie zerhackt buchstäblich die Wohnzimmereinrichtung. Ich weiß gar nicht mehr, ob das das erste Mal war, dass ich einen Streit zwischen den beiden beobachtet hatte, oder ob es noch ein zweites Mal gab, bei der meine Mutter dann mit einer Platzwunde ins Krankenhaus musste. Auf jeden Fall geschah dies noch im Hause meiner Oma in Leibnitz, in dem wir wohnten bevor wir nach Graz zogen. Ich weiß noch, dass ich ein Dreirad geschenkt bekam, und meine Mutter mir sagte, ich dürfe damit nicht auf der Straße fahren. Wie durch einen Impuls geleitet fühlte ich plötzlich eine Möglichkeit, zu entkommen und radelte schnurstracks auf die Straße zu, bis mich jemand, ich denke es war mein Vater, plötzlich zurück holte als ich schon ein gutes Stück vom Haus entfernt war. Wieder ein anderes Erlebnis drängt mir die Frage auf, ob es meiner Mutter um Ausübung ihrer Authorität ging oder ob sie eine Art Neid und Hass gegenüber anderen Personen besaß, die sich am Erziehungsauftrag beteiligen wollten. Als meine Oma mir das Radfahren ohne Stützen beibringen wollte, was mir sehr gefiel, holte mich meine Mutter wütend an den Ohren wieder ins Haus und machte der Mutter meines Stiefvaters klar, dass sie dies zu unterlassen hätte. Ich habe es dann doch irgendwann gelernt, denn was sie nicht wusste war, dass ich intuitiv begriffen hatte, dass dies eine einmalige Chance werden würde, und schon bei den ersten zwei, drei Anläufen Erfolg hatte. Meine Großmutter spielte mir nachdem sie mein Potential erkannt hatte vor, mich zu halten und ich schaute nicht nach hinten, wodurch ich in voller Sicherheit in die Pedale treten konnte. Weitere Erfolgserlebnisse folgten. Ich gewann in der ersten Klasse den Zeichenwettbewerb. Meine Zeichnung auf einem A3 Blatt zeigte folgendes: Ein riesiges Schiff, dass ich in allen Einzelheiten malte und der verblüfften Lehrerin, die mich fragte, was auf dem Bild zu sehen war, in allen technischen Einzelheiten erläuterte. Ein Schiff und das Meer, mit einem Strand, an dem mein Vater, ich und andere Personen zu sehen waren. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass ich gewinnen würde, umso mehr freute es mich, als ich bei der Preisverleihung, im Befürchten ich hätte verloren und würde nichts bekommen, nachdem alle anderen schon einen Preis bekommen hatten, plötzlich die Gewinnerin des ersten Preises war.
Als wir nach Graz gezogen sind, gab es natürlich Perioden von Harmonie in der Familie. Abgesehen von den eigenartigen Funden, die ich in unserer Wohnung machte (Pornohefte, Sexspielzeug) wenn meine Mutter mich zum aufräumen verdonnert hatte, gab es eigentlich keine A-normalitäten.
Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, kommen mir jedoch trotzdem eigenartige Erinnerungen, von denen ich nicht mehr weiß, ob sie noch in die Zeit in Leibnitz, oder schon Graz zu zu ordnen waren. Ich weiß noch, dass meine Eltern mich zum Kinderarzt brachten, bei dem ich mich ausziehen und hinlegen musste, während meine Eltern im Raum waren. Das war mir schon schwerstens peinlich, und ich begann zu schwitzen. Dies war das erste Mal, an dem ich begann zu denken, etwas an meinem Körper sei nicht normal. Der Arzt begann an mir herumzufummeln, mich auch am Genitalbereich zu berühren und sprach zu meinen Eltern, jedoch konnte ich nicht verstehen, um was es ging. ich weiß noch, dass ich einmal aus Panik aus der Praxis gelaufen bin, und man mich unter Gewalt wieder hereingeholt hatte.
Dieser Arzt wurde später übrigens verurteilt, weil ein Kind in seiner Praxis gestorben war, dass er trotz straken Schreiens und Klagens seitens des Kindes nicht vorrangig behandelte. Meine Eltern haben nie eine Aussage oder einen Versuch des Dialogs mit mir begonnen, was diese eigenartigen Untersuchungen angingen. Ich weiß, dass ich schon sehr früh Schambehaarung hatte, jedoch hatte ich zu diesem Zeitpunkt keinen Zugang zu diesem Etwas, dass man als Erwachsener "Sexualität" nennen würde. Dinge wie diese schockten mich eher, als mich zu interessieren.
Weiters erinnere ich mich an unsere Reisen zurück in die Dominikanische Republik. die Kinder dort waren alle voll mit schmutzigen Gedanken, soweit ich denken kann. Sogar mein älterer Cousin, der mittlerweile verstorben ist (starb vor einigen Jahren im Alter von 23 an einem Motorradabsturz in den Bergen) machte sich an mir zu schaffen. Ich weiß noch dass ich ihm einmal, als er mich mit seinen Gemeinheiten belästigte, drohte, seinem Vater alles zu erzählen wenn er mich nicht in Ruhe lasse. Die Kinder dort hatten so etwas wie eine Geheimsprache entwickelt, durch die sie über verdorbene Dinge und Gewalttätigkeiten reden konnten, ohne dass die Erwachsenen er verstanden. Einmal war ich sogar ein ganzes Monat lang krank, hatte Fieber, Husten und Eiterbildung, ohne dass jemand wusste, woran es lag. Irgendeiner hatte dann gemeint, es läge wohl am Schweinefleisch.  Als wir dort angekommen waren, begann meine Mutter mir schon Kinderstreiche mit harten Schlägen zu vergelten. Ich weiß noch, dass ich eine Fleischwunde zu meiner linken Hüfte trage, die dieser Zeit entstammt. Mein biologischer Vater befand sich natürlich auch noch dort, und er begann zu sehen, dass ich nicht wirklich glücklich war. Ich weiß noch, als meine Mutter für ihre Mutter und den anderen im Haus lebenden einen riesen Einkauf machte. Da ich mich aber immer mehr mit meinem Vater und dessen Großmutter identifiziert hatte (mein Name enstammt auch ihrem Namen, Emilia) fragte ich, was nun aber mit meiner Oma sei? Darauf hin gab mir meine Mutter etwas Geld und ich rannte zu ihrem Haus, dass natürlich viel schlichter war, als das Haus meiner Mutter, dass sie mit dem Geld aus Österreich weiter ausbauen hatte lassen und verkündete fröhlich, dass wir nun auch Geld zum Essen hätten. Meine Oma, sichtlich gerührt, gab mir einen Kuss, nahm mich in den Arm, brachte das Geld jedoch am Abend, als ich zu Bett ging, zurück. Meine Oma verstarb einige Jahre später, als ich zurück in Österreich war, an Krebs. Davor hatte sie mich noch aus den Vereinigten Staaten angerufen, mein Vater hatte sie zwecks einer besseren Behandlung dorthin gebracht, und gesagt, dass sie mich in Österreich besuchen kommen werde, wenn sie die Operation überlebt. Ich habe zwei wochen lang mit niemandem gesprochen.

Ich weiß noch, dass meine Mutter sich nicht wirklich darum kümmerte, ob ich nun meine Aufgaben machte oder nicht. Ob ich darin Hilfe bräuchte, oder nicht.. Das einzige, was ihr wichtig war, waren gute Noten. Wenn ich sie um Hilfe bat, sagte sie, dass sie mir nicht helfen könne, da sie die Sprache nicht konnte. im Hinblick auf Mathematik dachte ich mir schon, dass sie sich da wohl aus eigener Rechenschwäche heraus drücken wollte. Schließlich ist die Sprache der Mathematik eine universelle. Also musste ich mir selber helfen, egal worum es ging. Dabei ist meine Mutter bis heute eine, die in Selbstmitleid versunken bei jeder Gelegenheit darüber klagt, dass ihr nie jemand hilft! 
Da kommen mir jedoch tausende Dinge auf. Durch mein Los, ihr Kind zu sein und ihr damit unterlegen, musste ich ihr zuhören, egal um was es ging. Es hat mich dann schon so sehr genervt, dass ich mir eines Tages die Haare abschnitt, da sie mir, wenn sie mich frisierte, ihre ganze Lebensgeschichte und alles mögliche schon in ewiger Wiederholung reindrückte, bis ich es nicht mehr hören konnte. Ich wollte mich mit meinem Bruder beschäftigen, mit anderen Kindern, los gehen und spielen. Stattdessen musste ich die Küche putzen wenn sie in der Arbeit war und manchmal blieb sie so lange weg, dass mein Bruder und ich aus Hunger schon anfingen, selbst in der Küche kreativ zu werden. Wie man hier vielleicht schon merkt, war mein Stiefvater zu diesem Zeit punkt schon längts weg. Meine Mutter war geschieden, wir mussten aus dem guten Viertel in Graz, in dem wir mit unserem Vater gewohnt hatten, ausziehen, da sein Bruder nun in diese Wohnung einziehen wollte. Meine Mutter hatte angefangen, es sich mit der ganzen Familie zu verscherzen, womit wir dazu gezwungen waren, wegzuziehen. Meine österreichische Familie erzählte mir, dass sie nach der Geschichte irrsinnig viel Geld von meinem Vater vor Gericht erkämpft hat oder erkämpfen wollte - von diesem Geld haben wir nicht viel gesehen. Wir sind in ein mittelmäßiges bis armes Viertel in Graz gezogen - ein Viertel, in dem viele Asoziale und Kriminelle wohnten. Das war die Zeit, in der ich von der letzten Klasse Volkschule ins Gymnasium wechseln sollte. Die Lehrerin in der volkschule hat aufgrund meiner schwachen Leistungen schon gemeint, ich werde nichteinmal die erste Klasse Gymnasium schaffen. Trotzdem habe ich den Aufnahmetest geschafft (meine schwachen Leistungen kamen vom depressiven Rumhängen im Bett...zwischen Küchendienst und Streit) da ich wusste, worum es ging. Meine Mutetr hatte es mir zuvor in harten, aber einleuchtenden Worten gesagt. ich weiß nciht wie oft ich von ihr dumme Gans, blöde Kuh oder sonstiges, noch schlimmeres genannt wurde. ich weiß nicht wer es war, aber ich weiß noch dass mich einer der beiden, entweder sie oder mein Vater, beschuldigt hatten, die Hemden meines Vaters mit Lippenstift zu beschmieren. Der streit zwischen den beiden handelte sich, wie ich dann in fortgeschrittenem Alter mitbekam und auch durch Erzählungen meiner Mutter nachzuvollziehen vertstand, um Untreue. Erwartete Treue von jemandem, der Tag und Nacht in einem Nachtlokal verbringt?  Ich verstehe die Sorgen und Plagen meiner Mutter bis hierhin ganz gut, ich verstehe auch, dass ihr niedriger sozialer Rang, der sich fast auf mich abgefärbt hätte, sie dazu gebracht hat dumm und emotional zu handeln. Jedoch rechtfertigt dies nicht, die Zukunft des eigenen Kindes dermaßen zu verbauen.

Ich wurde nach außen hin ein ruhiges, nettes Kind mit vielen, versteckten Aggressionen, dass aufgehört hatte, diese vielen, nervigen Fragen über Gott und die Welt zu stellen. Ich hatte durch ihre vielen verbalen Attacken den Respekt vor ihr verloren. In der Schule musste ich irgendwie einen Rang erreichen, den ich entweder durch sportliche Leistungen (Fußball, Basketball), provokativem Humor oder das Ausschalten von Widersachern und "Bullies" (Handlange, Streitereien) erreichte. Irgendwann wurde es sogar meinen Freunden zu viel und die Lehrer begannen sich zu wundern, warum ich nicht mehr in die Schule kam und wenn, dann ständig schmutzige, riechende Sachen trug oder aber sogar im sommer mit einem langärmligen Pullover in der Klasse saß. Meine Mutter war selbst in Depressionen verfallen, und mir ging es nicht anders. Obwohl es auch lustige Momente gab, in denen sie sich irgendwie dazu ringte, wenn schon nicht einfühlsam, dann wenigstens humorvoll zu sein: im großen und ganzen war es eine Pein.
Ihr Hass auf die Welt war mir die größte Pein, insofern ich diesen Hass aufgrund dessen, was mir alles widerfahren ist, schon fast selbst übernommen habe, weshalb er mir wieder zum allergrößten Graus wird, weil er mich ihr ähnlich macht. Sie hat es herbeigeführt, dass sie mich, durch ihre Misshandlungen wie sie sie selbst erfahren hat, wie ein Teufel, immer wieder dazu verführt mich zu verhalten wie ihresgleichen und das einzige, was mich am Leben hält, ist der Teil in mir, der sich wehrt.




SoulCat at 6/04/2012 04:04:00 PM | 0 comments
Samstag, 21. Februar 2009
...oder die Evolution der Evolution.

"Es sieht so aus als hätte sich die Evolution des "Menschen" von von einer überwiegend genetisch-biologischen (Säugetier, Affe, Uhrzeitmensch, Moderner Mensch, technischer Fortschritt etc.) Problemstellung, zur zur rein geistigen (Rassismus, Gesellschaft, Kultur, Herrschformen, Moral, Religion: ja/nein, etc.) Problemstellung weiterentwickelt. Genaugenommen selektiert die Natur nicht mehr unsere Körper, jedoch unseren Geiste. Und so logisch wie die Natur biologisch vorging, so logisch wird sie auch nur die Rationalisten unter uns fortschreiten lassen. Dies haben wir uns selbst zuzuschreiben: Wir haben es verabsäumt, eine gerechte Welt der Fantasie zu erschaffen - im Gegenteil, wir sind kläglich gescheitert. Es gibt keinen Gott. Mehr."


...or the evolution of evolution.

"It seems as if the evolution of "men" has evolved from a mainly genetical/biological problem (mamals, apes, prehistoric men, modern men, technical progress, etc.) to an absolute mental problem. Strictly speaking, the nature doesn't select our bodies anymore, but our minds. And as logical as nature proceeded biologically, as logically it will only let the rationalists proceed. This we have to attribute to ourselves: We haved missed out on creating a righteous world of fantasy - to the contrary, we have failed miserably. There is no God. Anymore."

SoulCat at 2/21/2009 02:38:00 PM | 0 comments
"Der Apfel, den "Gott" uns verbot war wohl das Grundgerüst der Religion - in gutem Wissen darum, dass Menschen einfach nicht mit Hoffnung umgehen können." Clay




In meinen eigenen Worten erklärt, leitet sich dies so ab: Englisch für "whole" = holy, zu Deutsch "ganz", findet sich in beiden Sprachengebräuchen wieder: Fällt eine Vase vom Tisch und zerbricht nicht, ist sie noch "heil", also ganz. Im Englischen ließe sich da noch eine andere Interpretation finden, zum Beispiel im Sinne von "erfüllt", wie: "You make me whole" - also ganz. Jedoch impliziert diese Deutung, dass vorher etwas gefehlt haben musste, daher führt das zu einer neurlichen Interpretation, und zwar "perfekt", also ganz. Nähert man sich dem Problem medizinisch, ergibt es auch wieder einen Sinn, denn ist jemand "geheilt", so ist er wieder zu einem angestrebten, funktionierenden, perfekten Ausgangszustand zurückgeführt worden, also wieder "ganz". Nicht zuletzt fragen wir offensichtlich leidende Menschen "Was "fehlt" dir?" (Das englischsprachige Volk ist neben dem direkten "What ails you?" mit "What's wrong with you?" noch direkter und implizieret schon in der Frage, dass mit der Person etwas falsch läuft. Daher heißt es doch folglich, dass jemand der nicht "heil" oder ganz ist auf jedenfall "berichtigt" werden muss).


Zusammenfassend ausgedrückt: Wenn etwas fehlt ist man nicht ganz, folglich nicht perfekt und man muss geheilt, also zum angestrebten perfekten Ausgangszustand zurückgeführt werden.


Was bedeutet es also, wenn wir etwas als "heilig" ansehen?
Wenn wir Wikipedia fragen, hält sich die tiefere Beschäftigung mit diesem Wort in Grenzen, obwohl ich persönlich ja denke, dass die Art, wie wir Menschen es pflegen Dingen einen Namen zu geben, tief psychologisch in uns allen verankert ist und zeigt, wie wir ticken - wir alle.
"Heilig stammt wortgeschichtlich von „Heil“ ab, was etwas Besonderes bezeichnet und sich abgeschwächt noch in heil = ganz wieder findet (vgl.: im englischen: heilig = holy von whole). Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Heilig ein religiöser Begriff mit der zugedachten Bedeutung zur göttlichen Sphäre zugehörig, einer Gottheit geweiht. Gleichbedeutend wird das Fremdwort sakral gebraucht, auch als Gegensatz zu profan (weltlich). Medizinisch bedeutet sakral -os sacrum- (lateinisch) zum Kreuzbein gehörig."


Das war mir eindeutig zu wenig. Nach näherem Überlegen viel mir noch eine Redewendung auf, bei der wir das Wort "heilig" im Alltag meist ohne jegliche religiöse Parallelen nutzen, und zwar: "Das ist mir heilig."
Dieser Satz kann sowohl für Dinge als auch Werte oder Forderungen gelten, zum Beispiel wenn jemand versucht einem Dinge abzusprechen oder einfach nur schlecht zu machen. Was wir damit meinen ist also, dass für unser subjektives Empfinden dieses Ding, dieser Wert oder diese Forderung "ganz", "perfekt" oder anders: unanfechtbar ist und deshalb auch bis (ich übertreibe mal) in den Tod verteidigt werden muss. Wir sehen also allein in der näheren Betrachtung unserer Alltagsredeweisen, dass die zu dem Wort gehörigen Definitionen ziemlich absolut sind und keinen Platz für Graustufen hinterlassen, was uns wiedermal zeigt, dass wir Menschen von dualem Denken geradezu überschwemmt und durchdringt sind. Sogar beim Einfordern von mehr Respekt und Toleranz für Graustufen verhalten wir uns dual, indem wir uns entweder auf die eine (die Verfechter) oder die andere Seite (die Gegner) stellen. Menschen, die in der Mitte stehen verachten wir oft noch mehr als die, die nach rational/moralischer Sichtweise (in dem Sinne wohl eher die "rechte" Seite) offensichtlich auf dem falschen Kurs sind. Gerne hätte ich jetzt in diesem Satz, ganz im Sinne der Unparteilichkeit, eine verharmlosendere Form von "falsch" benutzt, indem ich das Wort "falsch" zu "fälschere" steigere - allerdings ist das in unseren Sprachen weder erlaubt noch vorgesehen. Warum nur? Ich denke Sie können mir folgen. (Es funktioniert übrigens auch nicht mit "richtig")


Wenn wir uns nun also Ikonen, sprich, Personen vorstellen, die heilig gesprochen werden erkennen wir sehr rasch, welcher Sinn hinter dem Ganzen steckt. Ein Bild wird geschaffen, an dem man sich messen kann - also dem "Vorbild", weil es ja stets jemanden oder etwas geben muss, dass das Gegenteil oder eben ein "Maß" für etwas vorgibt (Dualismus). In diesem Fall wäre es eben eine Person, die sich nach einem bestimmten Handlungsmuster verhält, die dann als "Maß" für das "heil", also "ganz"-sein gibt. An diesem Beispiel ersieht dann der gute Gläubige (oder Gutgläubige) ob er geheilt werden muss, oder ob er dem angestrebten, perfekten Zustand entspricht (diesen Zustand verweigert Gott uns aber vehement, da er sagt, dass wir von Grund auf von Sünde druchtrieben sind und niemals aber auch NIEMALS diesen von ihm eingeführten, perfekten Zustand erlangen können, außer er spricht ihn uns ausdrücklich, und das auch nur einzeln, zu).
Da stellt sich mir die Frage, wozu wir dann diesen Zustand anstreben, wenn wir wissen, dass wir ihn nie erreichen werden?
Nun, in der Bibel wird dies so erklärt, dass Gott zwar weiß, dass wir niemals "heilig" sein können, aber in diesem Wissen hat er für uns ein Paradies geschaffen, in dem perfekte Zustände herrschen und selbst unsere Identitäten und unsere Körper "perfekt", also "heil und ohne Krankheiten" sein werden.
Das mag ja stimmen.
Aber da frage ich mich, wenn Gott schon die Natur erschaffen hat und die Natur so wie sie ist perfekt ist und in der Natur Graustufen sowie der Dualismus gleichberechtigt sind, warum strebt dann ein Gott, also ein Inhaber aller Rechte dieser Kreation, es an, exklusiv für UNS Menschen (wenn man die Bibel genau nimmt, dann auch für Tiere und Pflanzen, denn es heißt, dass es keine Form von Verderben und Tod geben wird), die wir ja auch ein Teil der Natur sind, nur gewisse Dualismen abzuschaffen um der Illusion des "Perfekten" willens?
Will er dann auch Tag und Nacht abschaffen, dem Wasser die Aggregatzustände verwehren, uns mit dem heiligen Geist statt Eiweißen und Kohlehydraten nähren und auch sonstige Kreisläufe manipulieren und wie geht er dann mit der Überpopulation um?
Und warum sind die Dinge, die geändert werden sollen dann genau die, vor denen wir Menschen am meisten Angst und gegenüber wir am wenigsten Einfluss haben? (Leben/Tod, Gesundheit/Krankheit [relativ], richtig/falsch [relativ], Trauer /Glück [relativ] etc., etc.)


Für mich liest sich das eher so, als sei "heilig" zu sein und alle Heiligen, also religiöse Vorbilder, weniger etwas, dass mit Göttlichen zu tun hat, als ein weiterer Versuch der Mehrheit von Meschen, sich selbst in ein fanatisch dualistisches Gestrüpp hineinzuquetschen, aus dem wir durch die geistige Evolution (siehe: Clay's Evolution Theory) immer mehr herauszuwachsen prädestiniert sind.
Als letztes habe ich mir angemaßt, den Ausdruck "Sieg heil" zu interpretieren. Ganz im Sinne des "totalen Krieges" bloß ein weiterer Ausdruck von absolutem Herrschertum und absoluter Macht: Der totale, ganze, perfekte Sieg ohne Kompromisse und Gnade.
Ach du heilige Scheisse!


SoulCat at 2/21/2009 01:08:00 PM | 0 comments